Archiv für den Monat: Dezember 2018

Modellentwicklung in Papier und Kunststoff

Papier oder Karton ist eine gute Möglichkeit, mal schnell was auszuprobieren oder zu visualisieren. Zu Techniken der Papierbearbeitung wie schneiden, kleben, falzen, spannen, biegen etc. gibt es Analogien in der Metallbearbeitung, die aber in der Regel mit wesentlich mehr zeitlichem und materiellem Aufwand umzusetzen sind. Insofern sind diese Modelle letztendlich übertragbar und als dreidimensionale Objekte „näher dran“, als die zweidimensionale Skizze.

Thermoplastische Kunststoffe wie ABS und Polystyrol (Plattenmaterial mit 0,3/0,5/0,7/1,0 mm Stärke) lassen sich ebenfalls leicht mit einer Schere schneiden, erlauben aber auch eine plastische Verformung unter Zuhilfenahme eines Heissluftföns oder über thermisch regelbare metallische Werkzeuge. Die Bearbeitungstemperaturen liegen bei Polystrol zwischen ca 100-240°C. Ich habe mir zum Abkanten für das Handstück des Anwachsgeräts entsprechende Aufsteckprofile aus Messing hergestellt. Polystyrol lässt sich flächig mit Nitroverdünnung kleben oder auch mit dem Kunststoffkleber Ruderer L530. Beides sollte sparsam eingesetzt werden, weil sich das Material bei zu großzügiger Verwendung gerne verzieht und zu Spannungsrissen neigt. Das lässt sich aber mit etwas Erfahrung ganz gut in den Griff kriegen. Die Entfettung der Klebeflächen funktioniert ganz gut mit Isopropyl-Alkohol.

Über die geläuterte Ästhetik eines Kotflügels



Ich habe eine Vorliebe für ein sehr elementares, reduziertes Formenvokabular, für ungeschönte, rauhe, auf´s wesentliche reduzierte Objekte …

In der Nähe eines kleinen südfranzösischen Dorfes fand ich mitten in der sonnengefluteten Garrigue die Überreste eines uralten Peugeots. Im Laufe der Jahrzehnte hatten ihm Wind, Hitze, Kälte, Nässe und Trockenheit entsprechend zugesetzt. Nur die wesentlichen Teile waren noch vorhanden. Der Lack war blind geworden,und überhaupt waren sämtliche Oberflächen von Wind und Wetter in einen ähnlichen Zustand versetzt worden. Die Wölbungen der stumfen Bleche wirkten seltsam materialhaft, sehr gegenwärtig, durch keinen Reflex gestört… ihre Form trat klar und nackt zutage.

Das Ganze kontrastierte mit den filigranen Formen der umgebenden Pflanzenwelt und fand dann auch wieder eine Entsprechung in den ausgewaschenen Wölbungen der verwitterten Felsbrocken und der umgebenden Hügel. Ich möchte fast sagen, er passte nun in die Landschaft, die ihn vereinnahmt hatte …   wunderschön!

2-3 Jahre später hatte ich an der Goldschmiedeschule ein Deja vu beim Glühen und anschliessendem Abbeizen von Silberblechen. Auch das Glühen und Beizen ist ein Läuterungsprozess, bei dem sich das durch mechanische Bearbeitung unterschiedlich verdichtete Gefüge des Werkstücks entspannt und neu ordnet. Am Ende bleibt nur das Wesentliche. Die Oberfläche ist rein und durch eine feine Mikro-Struktur mattiert, weil beim Beizvorgang die unedleren Kupferkristalle der Legierung aus der Oberfläche herausgelöst wurden. Das ist der Zustand, den ich für meine Objekte erhalten möchte: das ist der Geburtszustand mehr oder weniger.

                                                                                                                                                                             

Das Kleine im Großen

Design gestaltet neben der formalen Umsetzung ergonomisch – technischer Belange vor allem auch visuelle und haptische Erlebnisse, sowie die Zusammenhänge in der Binnenstruktur eines Objektes.  Es geht da idealerweise um sinnvolle und reizvolle Beziehungen der Formbestandteile und deren  Einordnung in einen Gesamtzusammenhang. Das kann ein verbindender Rhythmus sein, ein Bewegungsablauf, eine metrische Beziehung oder manchmal auch eine ungewohnte Eigenart, die die Wahrnehmung des Betrachters anspricht und in Gang bringt.