Silber ist im Jahr 2025 und bis in den Januar `26 um über 160% im Preis gestiegen. Das ist für kleine Werkstätten und ihre Kunden eine Herausforderung. Es ist Zeit, sich nach anderen geeigneten Werkstoffen umzusehen. Auf der Suche nach einem weissen Metall, möglichst ohne die gesundheitlich evt. bedenklichen Eigenschaften von Aluminium stiess ich auf Magnesium und war von der hellen, silbrigen und feinkörnigen Struktur recht angetan. Ich kenne das Material seit Kindertagen, als ich den „tollen Fotoapparat“ meines Vaters mal näher in Augenschein nehmen konnte. Ich fragte ihn fasziniert, ob „der aus Silber ist“. Da erklärte er mir, dass der Korpus aus Magnesium besteht. Schon lange her – aber immer noch im Kopf gegenwärtig. Das Metall ist leichter als Aluminium und aufgrund dieser Eigenschaft und seiner Festigkeit häufig auch als Gehäuse in Laptops verbaut.
Vorsicht Brandgefahr!
Das Arbeiten mit Magnesium hat sich nach näherem Hinsehen als eine ambivalente Angelegenheit entpuppt. Wegen Entzündungs- und Brandgefahidumfangreiche Vorsichtsmassnahmen zu treffen. Ab 450°C kann sich Magnesium entzünden. Es lassen sich daher auch keine haltbaren Hartlötverbindungen herstellen. Magnesiumbrände entwickeln Temperaturen bis 3000°C , sind im großen Maßstab schwierig löschbar und erfordern besondere Löschmittel (kein Wasser!). Um die Brandgefährlichkeit realistisch einschätzen zu können, habe ich Outdoor ein kleines Blech 27x41mm mit dem Gasbrenner erhitzt und auf einem Sandstein abbrennen lassen.


Das Blech entzündete sich zuerst an abstehenden Graten und brannte zunächst moderat orange, in einer weiteren Stufe dann mit etwas größerer, sehr heller weisser Flamme unter Rauchentwicklung innerhalb von ca 2 Minuten ab. Das Bild rechts zeigt die Überreste.
Mein persönliches Fazit: bei solch kleinen Mengen ist ein Brand zwar weitgehend beherschbar, wenn geeignete Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Z.B. das Blech auf Sand betten und Sand und/ oder Löschsalz in ausreichender Menge zum Löschen bereithalten. In der Werkstatt wäre das insbesondere auch wegen der Rauchentwicklung aber recht unangenehm. Ein Brand sollte unbedingt vermieden werden!
Infos zu den technischen Eigenschaften von Magnesium
Zu den technischen Eigenschaften habe ich die Perplexity KI befragt. Weiter unten im Text befindet sich ein Link zu einer Tabelle mit Infos zu den im Handel erhältlichen Legierungen AZ31b und AZ91D. Die AZ31b Knet-Legierung ist laut KI die höherwertige Legierung mit besserer Korosionsbeständigkeit. Das war auf Ebay vom Händler offenbar falsch deklariert. Magnesium steht in der Elektrochemischen Spannungsreihe relativ weit unten, noch hinter Aluminium und Zink. Es ist also unedel und je nach Legierungszusammensetzung mehr oder weniger stark korossionsanfällig. Industrieprodukte sind in der Regel lackiert, eloxiert oder auf eine andere Art behandelt. Mich interessiert in dieser Hinsicht evt. das Eloxal.


Die Aufnahme rechts zeigt unterschiedliche Texturen und Zustände nach dem Beizen mit Vitrex (links), Essigessenz (rechts oben) und oxidiert. Das Metall reagiert beim Beizen in Vitrex heftig sprudelnd unter Freisetzung von Wasserstoff (Vorsicht: explosiv!). Essigessenz zeigt dasselbe Bild, wirkt aber etwas milder. Das Schmuckobjekt auf der linken Seite zeigt nach relativ „langer Einwirkzeit“ (ca 1-2 Minuten) in 60°C warmer Vitrexlösung eine grobporige Oberfläche.
Magnesium ist relativ spröde, wobei AZ31b angeblich die etwas bessere Duktilität hat. Ein Walzen mit der Blechwalze sollte vorsichtig in kleinen Schritten erfolgen, sonst sehen die Bleche so aus, wie auf dem Bild (rechts). In diesem Fall waren 0,25 mm Zustellweg schon zuviel. Ein Rekristallisationsglühen ist bei +-345°C im Ofen durchführbar. Haltezeit: 60 Minuten. Bei dieser Temperatur ist noch keine Glut sichtbar. Abstehende Späne oder Grate können sich laut KI ab 430°C entzünden.
